Ratgeber

Tilgung 2 % vs. 3 % vs. 4 % — Welche Tilgungsrate ist optimal?

Vergleich verschiedener Tilgungsraten bei der Baufinanzierung. Laufzeit, Zinskosten und monatliche Belastung im direkten Vergleich mit Rechenbeispielen.

Was bedeutet die Tilgungsrate?

Die Tilgungsrate bestimmt, wie schnell Sie Ihr Darlehen zurückzahlen. Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die monatliche Rate über die gesamte Zinsbindung konstant — aber das Verhältnis von Zins- und Tilgungsanteil verschiebt sich über die Jahre: Der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt.

Je höher die anfängliche Tilgung, desto schneller sind Sie schuldenfrei — aber desto höher ist auch die monatliche Belastung.

Rechenbeispiel: 300.000 € Darlehen bei 3,5 % Zinsen

TilgungsrateMonatsrateRestschuld nach 10 JahrenGesamtlaufzeitGezahlte Zinsen
2 %1.375 €231.800 €ca. 28 Jahreca. 156.000 €
3 %1.625 €192.400 €ca. 21 Jahreca. 107.000 €
4 %1.875 €153.200 €ca. 17 Jahreca. 79.000 €

2 % Tilgung — Für wen geeignet?

Eine Tilgung von 2 % ist die Mindestempfehlung der meisten Banken. Sie eignet sich für Käufer mit knappem Budget oder Kapitalanleger, die bewusst niedrig tilgen, um den Leverage-Effekt zu maximieren.

Vorteile:

  • Niedrigste monatliche Belastung
  • Mehr finanzieller Spielraum für Rücklagen oder andere Investments
  • Steuerlich vorteilhaft bei Vermietung (höherer Zinsanteil absetzbar)

Keine Steuerberatung — konsultieren Sie hierfür Ihren Steuerberater.

Nachteile:

  • Längste Laufzeit (~28 Jahre)
  • Höchste Gesamtzinskosten
  • Höheres Risiko bei Anschlussfinanzierung (mehr Restschuld)

3 % Tilgung — Der goldene Mittelweg

Die meisten Finanzierungsberater empfehlen 3 % als Standard-Tilgungsrate. Sie bietet einen guten Kompromiss zwischen monatlicher Belastung und Entschuldungsgeschwindigkeit.

Vorteile:

  • Deutlich kürzere Laufzeit als 2 % (~21 Jahre)
  • Ca. 49.000 € weniger Zinskosten als bei 2 %
  • Komfortable Restschuld bei Anschlussfinanzierung

Nachteile:

  • 250 € höhere Monatsrate als bei 2 %
  • Weniger Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben

4 % Tilgung — Für Schnelltilger

Wer schnell schuldenfrei sein will und über ein hohes Einkommen verfügt, wählt 4 % oder mehr. Besonders sinnvoll in Niedrigzinsphasen, wo die Gesamtrate trotz hoher Tilgung noch tragbar ist.

Vorteile:

  • Schnellste Entschuldung (~17 Jahre)
  • Ca. 77.000 € weniger Zinsen als bei 2 %
  • Geringste Restschuld → minimales Anschlussfinanzierungsrisiko

Nachteile:

  • Höchste monatliche Belastung
  • Wenig Flexibilität bei Einkommensrückgängen
  • Für Kapitalanleger steuerlich weniger optimal

Sondertilgung als Alternative

Statt einer hohen festen Tilgung können Sie eine moderate Rate (z. B. 2–3 %) wählen und gleichzeitig eine Sondertilgungsoption vereinbaren. So bleiben Sie flexibel: In guten Jahren tilgen Sie mehr, in schwierigen Jahren bleiben Sie bei der Mindestrate.

Die meisten Banken bieten 5–10 % Sondertilgung pro Jahr kostenfrei an.

Empfehlung für Kapitalanleger

Bei vermieteten Immobilien gelten andere Regeln: Der Zinsanteil ist steuerlich absetzbar, die Tilgung nicht. Daher kann eine niedrigere Tilgung (2 %) in Kombination mit Sondertilgungsoptionen steuerlich optimal sein — vorausgesetzt, Sie investieren den Cashflow-Überschuss diszipliniert anderweitig.

Keine Steuerberatung — konsultieren Sie hierfür Ihren Steuerberater.

Fazit

ProfilEmpfohlene Tilgung
Eigennutzer mit knappem Budget2 % + Sondertilgung
Eigennutzer, Mittelklasse3 %
Gutverdiener, schnell schuldenfrei4 %+
Kapitalanleger (Vermietung)2 % + Sondertilgung

Die richtige Tilgungsrate hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Nutzen Sie den BaufiQuadrat Finanzierungsrechner, um verschiedene Szenarien durchzuspielen und die optimale Rate für Ihr Projekt zu finden.

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