Ratgeber

Anschlussfinanzierung planen: Forward-Darlehen, Prolongation oder Umschuldung?

Anschlussfinanzierung rechtzeitig planen: Forward-Darlehen, Prolongation und Umschuldung im Vergleich. Timing, Kosten und Strategie für den Zinsbindungsablauf.

Warum Anschlussfinanzierung so wichtig ist

Nach Ablauf der Zinsbindung — typischerweise nach 10, 15 oder 20 Jahren — müssen Sie die Restschuld neu finanzieren. Der neue Zinssatz kann Ihre monatliche Rate erheblich verändern: Wer 2015 zu 1,5 % finanziert hat und 2025 zu 3,5 % verlängert, zahlt bei 200.000 € Restschuld rund 330 € mehr pro Monat.

Drei Wege der Anschlussfinanzierung

OptionZeitpunktAufwandKosten
Prolongation1–3 Monate vor AblaufGeringKeine
Umschuldung1–6 Monate vor AblaufMittelGrundbuchkosten (~0,2 %)
Forward-Darlehen6–60 Monate vor AblaufMittelForward-Aufschlag (0,01–0,03 %/Monat)

Option 1: Prolongation — beim gleichen Anbieter bleiben

Die einfachste Lösung: Ihre bisherige Bank bietet Ihnen ein Verlängerungsangebot (Prolongation) an — in der Regel 1–3 Monate vor Ablauf der Zinsbindung.

Vorteile:

  • Kein Aufwand — kein neuer Kreditvertrag, keine neue Bonitätsprüfung
  • Keine Grundbuchkosten — die bestehende Grundschuld läuft weiter
  • Schnelle Abwicklung

Nachteile:

  • Oft nicht die besten Konditionen — die Bank weiß, dass der Wechsel Aufwand bedeutet
  • Kein Verhandlungsdruck — ohne Alternativangebote fehlt die Verhandlungsbasis
  • Begrenzte Vertragsanpassung — neue Sondertilgungsoptionen oder Tilgungsänderungen werden selten eingeräumt

Tipp: Nehmen Sie das Prolongationsangebot nie ungeprüft an. Holen Sie mindestens 2–3 Vergleichsangebote ein — selbst wenn Sie am Ende bei Ihrer Bank bleiben.

Option 2: Umschuldung — Bank wechseln

Bei der Umschuldung löst eine neue Bank das bestehende Darlehen ab. Die Grundschuld wird abgetreten oder neu eingetragen.

Vorteile:

  • Oft bessere Zinsen als bei Prolongation (0,1–0,5 % günstiger)
  • Volle Vertragsfreiheit — neue Tilgungshöhe, Sondertilgungsoptionen, Zinsbindung
  • Verhandlungshebel gegenüber der alten Bank

Nachteile:

  • Grundbuchkosten für Grundschuldabtretung (~0,2 % der Grundschuld) oder Neueintragung (~0,5 %)
  • Neue Bonitätsprüfung erforderlich
  • Mehr Papierkram und längere Bearbeitungszeit
  • Eventuell neuer Einkommensnachweisbedarf

Rechnung: Lohnt sich der Wechsel? Vergleichen Sie die Zinsersparnis über die neue Zinsbindung mit den Grundbuchkosten.

RestschuldZinsvorteilJährliche ErsparnisGrundbuchkostenAmortisation
200.000 €0,2 %400 €400 €1 Jahr
200.000 €0,5 %1.000 €400 €5 Monate
150.000 €0,3 %450 €300 €8 Monate

Option 3: Forward-Darlehen — Zinsen jetzt sichern

Ein Forward-Darlehen sichert den aktuellen Zinssatz für eine Anschlussfinanzierung in der Zukunft — bis zu 60 Monate im Voraus. Dafür zahlen Sie einen Forward-Aufschlag von typischerweise 0,01–0,03 Prozentpunkten pro Monat Vorlaufzeit.

Rechenbeispiel:

VorlaufzeitAktueller ZinsForward-AufschlagForward-Zins
12 Monate3,50 %0,12–0,36 %3,62–3,86 %
24 Monate3,50 %0,24–0,72 %3,74–4,22 %
36 Monate3,50 %0,36–1,08 %3,86–4,58 %

Wann lohnt sich ein Forward-Darlehen?

  • Wenn Sie steigende Zinsen erwarten
  • Wenn die Zinsbindung in 12–36 Monaten ausläuft
  • Wenn Sie Planungssicherheit brauchen (z. B. bei knappem Budget)

Wann nicht?

  • Wenn die Zinsen stabil oder fallend sind — Sie zahlen den Aufschlag umsonst
  • Wenn die Vorlaufzeit über 36 Monate beträgt — der Aufschlag frisst den Vorteil oft auf
  • Wenn Sie den Vertrag nicht abnehmen können — ein Forward-Darlehen ist verbindlich

Optimales Timing

Zeitpunkt vor AblaufEmpfohlene Aktion
60–36 MonateMarktbeobachtung starten, Forward-Darlehen in Erwägung ziehen
36–12 MonateForward-Darlehen abschließen (bei steigenden Zinsen)
12–6 MonateVergleichsangebote einholen, Umschuldung vorbereiten
6–3 MonateProlongationsangebot der Bank prüfen, verhandeln
1 MonatEntscheidung treffen und abschließen

Achtung: Beginnen Sie nicht erst 3 Monate vor Ablauf. Dann ist Ihre Verhandlungsposition schwach und die Zeit für eine Umschuldung knapp.

Sondertilgungen vor dem Zinsbindungsende

Wenn die Zinsbindung bald ausläuft, sind Sondertilgungen besonders wertvoll: Jeder Euro weniger Restschuld reduziert die neue monatliche Rate dauerhaft. Nutzen Sie die letzten Jahre der aktuellen Zinsbindung gezielt für maximale Sondertilgungen.

Anschlussfinanzierung für Kapitalanleger

Kapitalanleger sollten zusätzlich diese Aspekte berücksichtigen:

  • Mietentwicklung einkalkulieren — Sind die Mieten in den letzten 10 Jahren gestiegen? Deckt die aktuelle Miete die höhere Rate?
  • Steuerlichen Effekt beachten — Höhere Zinsen bedeuten höhere absetzbare Kosten
  • Portfolio-Perspektive — Lohnt sich ein Verkauf vor der Anschlussfinanzierung (Spekulationsfrist beachten)?

Keine Steuerberatung — konsultieren Sie hierfür Ihren Steuerberater.

  • Tilgungshöhe anpassen — Nach 10 Jahren Vermögensaufbau kann eine höhere Tilgung sinnvoll sein

Fazit

Die Anschlussfinanzierung kann Ihre monatliche Belastung um hunderte Euro verändern — nach oben oder nach unten. Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung, holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen Sie Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen. Nutzen Sie den BaufiQuadrat Finanzierungsrechner, um verschiedene Zinsszenarien für Ihre Anschlussfinanzierung durchzurechnen.

Häufige Fragen

Fragen zu diesem Thema

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Die Anschlussfinanzierung ist der Kredit, der Ihre Restschuld nach Ablauf der ersten Zinsbindung weiterfinanziert. Ein Immobiliendarlehen ist in Deutschland fast nie über die volle Laufzeit fest verzinst — nach 10, 15 oder 20 Jahren bleibt ein Restbetrag offen, der zu den dann gültigen Konditionen neu vereinbart wird. Sie haben dabei drei Wege: Prolongation bei der bisherigen Bank, Umschuldung zu einer neuen Bank oder ein Forward-Darlehen, das den Zins vorab sichert.

Was passiert bei der Anschlussfinanzierung nach 10 Jahren?

Nach 10 Jahren ab Vollauszahlung haben Sie nach § 489 BGB ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht mit sechs Monaten Frist — und zwar unabhängig davon, wie lange die Zinsbindung noch läuft und ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das ist ein starker Hebel: Wer damals teuer abgeschlossen hat, kann zum aktuellen Marktzins wechseln. Der Termin lohnt sich, im Kalender zu markieren.

Welche Konditionen bekomme ich bei der Anschlussfinanzierung?

In der Regel bessere als bei der Erstfinanzierung: Die Restschuld ist gesunken, die Immobilie ist beliehen und bewertet, und der Beleihungsauslauf liegt oft deutlich unter 60 Prozent — genau die Zone, in der Banken ihre besten Zinsen geben. Entscheidend ist, dass Sie vergleichen: Zwischen dem Prolongationsangebot der Hausbank und dem besten Marktangebot liegen erfahrungsgemäß mehrere Zehntelprozentpunkte.

Fallen bei der Anschlussfinanzierung Bereitstellungszinsen an?

Bei der klassischen Anschlussfinanzierung normalerweise nicht, weil das neue Darlehen zum Ablösetermin in einer Summe ausgezahlt wird. Beim Forward-Darlehen fallen während der Vorlaufzeit ebenfalls keine Bereitstellungszinsen an — die Wartezeit ist bereits über den Forward-Aufschlag im Zinssatz eingepreist. Relevant werden Bereitstellungszinsen erst, wenn zwischen Zusage und Abruf mehrere Monate liegen, etwa bei einer parallel laufenden Sanierung.

Bekomme ich eine Anschlussfinanzierung auch mit SCHUFA-Eintrag?

Häufig ja — die Ausgangslage ist besser, als viele erwarten. Bei der Prolongation prüft die bisherige Bank die Bonität in der Regel nicht neu, weil kein neuer Vertrag entsteht; die zuverlässige Zahlungshistorie der letzten Jahre spricht für Sie. Bei einem Bankwechsel zählt vor allem der niedrige Beleihungsauslauf. Ein erledigter oder geringfügiger Eintrag ist meist kein Ausschlusskriterium — wir prüfen das gemeinsam über unsere Bankenauswahl.

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