Ratgeber

Due Diligence beim Immobilienkauf: Checkliste für Kapitalanleger

Systematische Due Diligence vor dem Immobilienkauf: Rechtliche, technische und wirtschaftliche Prüfung. Mit vollständiger Checkliste und Dokumentenliste.

Was ist Due Diligence beim Immobilienkauf?

Due Diligence bedeutet „gebotene Sorgfalt" — eine systematische Prüfung aller relevanten Aspekte einer Immobilie vor dem Kauf. Für Kapitalanleger umfasst die Due Diligence drei Bereiche: rechtliche, technische und wirtschaftliche Prüfung.

Eine gründliche Ankaufsprüfung dauert in der Regel 2–4 Wochen und kann Sie vor Fehlkäufen bewahren, die Ihre Rendite um zehntausende Euro schmälern.

1. Rechtliche Prüfung

Grundbuch

Das Grundbuch ist das Fundament jeder Immobilientransaktion. Fordern Sie einen aktuellen Grundbuchauszug an (Kosten: ca. 10–20 €):

  • Abteilung I: Eigentumsverhältnisse — Stimmt der Verkäufer mit dem eingetragenen Eigentümer überein?
  • Abteilung II: Lasten und Beschränkungen — Wegerechte, Nießbrauch, Vorkaufsrechte, Wohnrechte, Baulasten?
  • Abteilung III: Grundschulden und Hypotheken — Müssen vor dem Verkauf gelöscht werden?

Teilungserklärung (bei Eigentumswohnungen)

Die Teilungserklärung regelt die Rechte und Pflichten der Eigentümergemeinschaft:

  • Sondereigentum vs. Gemeinschaftseigentum klar definiert?
  • Nutzungsbeschränkungen (z. B. Verbot von Kurzzeitvermietung)?
  • Sondernutzungsrechte (Stellplatz, Garten, Keller)?
  • Stimmrechtsverteilung in der Eigentümerversammlung?

Protokolle der Eigentümerversammlungen

Die Protokolle der letzten 3–5 Jahre verraten, ob Probleme oder Streitigkeiten in der Gemeinschaft bestehen:

  • Geplante oder beschlossene Sonderumlagen
  • Instandhaltungsrückstand
  • Rechtsstreitigkeiten der Gemeinschaft
  • Geplante Sanierungsmaßnahmen

Mietverträge

Bei vermieteten Objekten ist der bestehende Mietvertrag Teil des Kaufs (§ 566 BGB: „Kauf bricht nicht Miete"):

  • Mietvertrag unbefristet oder befristet?
  • Aktuell vereinbarte Kaltmiete — marktgerecht oder unter Marktniveau?
  • Mieterhöhungen möglich (Indexmiete, Staffelmiete, Vergleichsmiete)?
  • Mietrückstände vorhanden?
  • Kündigungsfristen und -gründe

2. Technische Prüfung

Energieausweis

Der Energieausweis ist Pflicht bei Verkauf und Vermietung. Er gibt Aufschluss über den energetischen Zustand:

EffizienzklasseEndenergiebedarfBewertung
A+, Abis 50 kWh/m²aSehr gut (Neubau-Standard)
B50–75 kWh/m²aGut
C75–100 kWh/m²aDurchschnittlich
D100–130 kWh/m²aSanierungsbedarf erkennbar
E–Hüber 130 kWh/m²aErheblicher Sanierungsbedarf

Bausubstanz und Sanierungsbedarf

Prüfen Sie systematisch alle Bauteile — Dach, Fassade, Fenster, Haustechnik, Keller. Bei Unsicherheiten einen Bausachverständigen hinzuziehen.

Altlastenauskunft

Beim zuständigen Umweltamt können Sie eine Altlastenauskunft einholen (Kosten: 20–50 €). Besonders wichtig bei gewerblicher Vornutzung oder Grundstücken in Industrienähe.

3. Wirtschaftliche Prüfung

Hausgeldabrechnung und Wirtschaftsplan

Bei Eigentumswohnungen: Die Hausgeldabrechnung der letzten 2–3 Jahre zeigt die tatsächlichen Bewirtschaftungskosten. Der Wirtschaftsplan gibt die geplanten Kosten für das laufende Jahr an.

PrüfpunktWorauf achten
InstandhaltungsrücklageAngemessen? Mindestens 7–10 €/m²/Jahr
Hausgeld-EntwicklungStarke Steigerungen in den letzten Jahren?
SonderumlagenBeschlossen oder geplant?
Rückstände anderer EigentümerZahlungsmoral in der Gemeinschaft?

Mietspiegelvergleich

Vergleichen Sie die aktuelle Miete mit dem örtlichen Mietspiegel:

  • Unter Marktniveau: Potenzial für Mieterhöhung nach Kauf
  • Auf Marktniveau: Stabile Einnahmen, wenig Steigerungspotenzial
  • Über Marktniveau: Risiko bei Mieterwechsel, Mieter könnte Absenkung verlangen

Renditeberechnung

Berechnen Sie mindestens diese drei Kennzahlen:

  1. Bruttomietrendite — Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis (Richtwert: über 4 %)
  2. Nettomietrendite — (Kaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ Gesamtkosten
  3. Cashflow — Mieteinnahmen − Rate − Hausgeld − Rücklagen

Due-Diligence-Dokumentenliste

Fordern Sie diese Unterlagen vor dem Kauf an:

  • Grundbuchauszug (aktuell, nicht älter als 3 Monate)
  • Flurkarte / Lageplan
  • Teilungserklärung + Nachträge
  • Protokolle der letzten 3 Eigentümerversammlungen
  • Hausgeldabrechnungen der letzten 3 Jahre
  • Aktueller Wirtschaftsplan
  • Stand der Instandhaltungsrücklage
  • Energieausweis
  • Mietvertrag(e) mit Anlagen
  • Grundrisse und Wohnflächenberechnung
  • Baupläne / Baugenehmigung
  • Nachweise über durchgeführte Sanierungen

Typische Red Flags

Brechen Sie die Prüfung ab oder verhandeln Sie den Preis erheblich nach unten, wenn Sie auf diese Warnsignale stoßen:

  • Verkäufer verweigert Zugang zu Dokumenten
  • Hohe Sonderumlagen beschlossen oder angekündigt
  • Instandhaltungsrücklage bei Null oder im Minus
  • Laufende Rechtsstreitigkeiten in der Eigentümergemeinschaft
  • Energieausweis Klasse F oder schlechter ohne eingepreiste Sanierungskosten
  • Mietvertrag mit unrealistisch hoher Miete (Schönrechnung der Rendite)
  • Fehlende oder inkonsistente Baugenehmigungen

Fazit

Eine gründliche Due Diligence ist die wichtigste Investition vor dem Immobilienkauf. Die Kosten für Grundbuchauszug, Gutachter und Altlastenauskunft liegen bei wenigen hundert Euro — und können Sie vor einem Fehlkauf im fünf- oder sechsstelligen Bereich bewahren. Nutzen Sie den BaufiQuadrat Finanzierungsrechner, um die Ergebnisse Ihrer Prüfung direkt in die Renditeberechnung einfließen zu lassen.

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