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Immobilie als Kapitalanlage: Lohnt sich das noch?

Immobilie als Kapitalanlage 2026: Renditeerwartungen, Risiken und Entscheidungskriterien. Mit Rechenbeispielen für verschiedene Kaufpreise und Standorte.

Die Ausgangslage 2026

Nach den Preiskorrekturen 2023/2024 hat sich der deutsche Immobilienmarkt stabilisiert. Die Kaufpreise sind in vielen Städten um 10–20 % gegenüber dem Höchststand gefallen, während die Mieten weiter gestiegen sind. Das verbessert die Einstiegsrenditen für Kapitalanleger deutlich.

Gleichzeitig liegen die Bauzinsen bei 3–4 % — höher als in der Niedrigzinsphase, aber historisch betrachtet noch moderat. Die entscheidende Frage lautet: Stimmt das Verhältnis von Mieteinnahmen zu Kaufpreis und Finanzierungskosten?

Renditekennzahlen im Überblick

KennzahlFormelRichtwert
BruttomietrenditeJahreskaltmiete ÷ Kaufpreis> 4 %
Nettomietrendite(Jahreskaltmiete − Kosten) ÷ Gesamtkosten> 3 %
Cashflow-RenditeJahres-Cashflow ÷ eingesetztes EK> 0 %
Eigenkapitalrendite (CoC)(Cashflow + Tilgung) ÷ eingesetztes EK> 6 %

Die Bruttomietrendite ist der schnellste Indikator: Liegt sie unter 3,5 %, wird es mit aktuellen Zinsen schwer, einen positiven Cashflow zu erzielen.

Rechenbeispiel: Eigentumswohnung in einer B-Stadt

Eine 60-m²-Wohnung in einer Stadt wie Leipzig, Nürnberg oder Hannover:

PositionBetrag
Kaufpreis180.000 €
Kaufnebenkosten (~10 %)18.000 €
Gesamtkosten198.000 €
Eigenkapital (20 %)39.600 €
Darlehen158.400 €
Monatliche Rate (3,5 % Zins, 2 % Tilgung)726 €
Kaltmiete (10 €/m²)600 €
Hausgeld (nicht umlagefähig)80 €
Monatlicher Cashflow−206 €

Der Cashflow ist zunächst negativ — das ist bei aktuellen Zinsen in den meisten Märkten normal. Die Rendite entsteht über Tilgung (Vermögensaufbau), steuerliche Vorteile und langfristige Wertsteigerung.

Wann lohnt sich die Kapitalanlage trotz negativem Cashflow?

Ein negativer Cashflow bedeutet nicht automatisch ein schlechtes Investment. Entscheidend ist die Gesamtrendite über den Anlagehorizont:

  • Tilgung: Jeden Monat wächst Ihr Eigenkapitalanteil — im Beispiel oben ca. 264 €/Monat im ersten Jahr
  • Steuerersparnis: Zinsen, Abschreibung (AfA) und Werbungskosten senken Ihre Steuerlast

Keine Steuerberatung — konsultieren Sie hierfür Ihren Steuerberater.

  • Mietsteigerungen: 2 % Mietsteigerung pro Jahr verbessern den Cashflow über die Zeit
  • Wertsteigerung: 1–2 % jährliche Wertsteigerung erhöhen die Gesamtrendite erheblich

Wann lohnt es sich nicht?

  • Bruttomietrendite unter 3 % — typisch für München, Frankfurt, Stuttgart. Der Cashflow-Verlust ist zu hoch, um ihn durch Steuervorteile auszugleichen
  • Hoher Sanierungsstau — Unkalkulierbare Kosten für Dach, Heizung oder Fassade können die Rendite vernichten
  • Schrumpfende Region — Ohne Bevölkerungswachstum keine Mietsteigerung und kein Wertzuwachs
  • Knappes Eigenkapital — Ohne ausreichende Rücklagen wird jede Sondersituation (Mietausfall, Reparatur) zum Problem

Standortfaktoren: A-, B- und C-Städte

StadttypBeispieleBruttomietrenditeWertsteigerungspotenzial
A-StädteMünchen, Hamburg, Berlin2,5–3,5 %Hoch
B-StädteLeipzig, Nürnberg, Hannover4,0–5,5 %Mittel
C-StädteChemnitz, Hagen, Bremerhaven5,5–8,0 %Gering

B-Städte bieten oft das beste Verhältnis aus Rendite und Sicherheit. A-Städte eignen sich für Wertsteigerungsstrategien, C-Städte nur für erfahrene Investoren mit lokaler Marktkenntnis.

Checkliste: Lohnt sich diese Immobilie?

Prüfen Sie diese Punkte, bevor Sie investieren:

  • Bruttomietrendite mindestens 4 % (B-Stadt) oder 3,5 % (A-Stadt)
  • Kaufpreis liegt im oder unter dem Vergleichswert (Bodenrichtwert + Sachwert)
  • Gebäude in gutem Zustand oder Sanierungskosten eingepreist
  • Standort mit stabiler oder wachsender Bevölkerung
  • Leerstandsquote unter 5 %
  • Eigenkapital für Nebenkosten + 15–20 % des Kaufpreises vorhanden
  • Rücklage von mindestens 6 Monatsraten verfügbar
  • Anlagehorizont mindestens 10, besser 15+ Jahre

Alternativen zur Direktinvestition

AlternativeMindestanlageLiquiditätAufwand
Offene Immobilienfondsab 50 €Mittel (1 Jahr Haltefrist)Gering
REITs (Immobilienaktien)ab 50 €Hoch (börsengehandelt)Gering
Crowdinvestingab 250 €Niedrig (Laufzeit 2–5 Jahre)Gering
Direktkaufab 30.000 € EKNiedrig (Verkauf dauert Monate)Hoch

Direkte Immobilieninvestments bieten den größten Hebel durch Fremdfinanzierung und steuerliche Vorteile — erfordern aber auch den höchsten Einsatz an Kapital, Zeit und Know-how.

Keine Steuerberatung — konsultieren Sie hierfür Ihren Steuerberater.

Fazit

Immobilien als Kapitalanlage lohnen sich 2026 wieder besser als in den überhitzten Jahren 2021/2022 — vorausgesetzt, Standort, Kaufpreis und Finanzierung stimmen. Nutzen Sie den BaufiQuadrat Finanzierungsrechner, um Ihre individuelle Rendite zu berechnen und verschiedene Szenarien durchzuspielen.

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